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Co-Arten in Oberbayern

Kriechender Scheiberich (Helosciadium repens)
Feuersalamander (Salamandra salamandra): Larve
Feuersalamander (Salamandra salamandra): Imago
Abbiß-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia)

Zu Beginn des Projekts wurde aufgrund von Hinweisen in der Artenschutzkartierung ein gemeinsames Vorkommen des Bayerischen Löffelkrauts mit seiner Eltern-Art, dem Pyrenäen-Löffelkraut, angenommen. Die von uns beauftragte genetische Untersuchung (Reisch 2012) wies jedoch nach, dass dies nicht der Fall ist und beide Arten strikt getrennte Lebensräume besiedeln. Da das Pyrenäen-Löffelkraut vergleichbare Standorte besiedelt und mittlerweile fast ebenso gefährdet ist wie das Bayerische Löffelkraut, widmet sich das Biodiversitätsprojekt auch dieser Art.

Weitere wichtige "Co-Arten" sind Tiere und Pflanzen, die sich den Lebensraum mit dem Bayerischen Löffelkraut teilen. Allen gemeinsam sind vergleichbare Lebensraumansprüche, die in ihrer Gesamtheit die besonderen Charakteristika der Wuchsorte von Cochlearia bavarica umreißen. In offenen Quellen und an Quellbächen rechnen hierzu z.B.

Feuersalamander (Salamandra salamandra): dieser erreicht im Gebiet seine westliche Verbreitungsgrenze und fehlt den schwäbischen Löffelkraut-Vorkommen. Die Art ist v.a. durch negative Veränderungen ihrer Laichhabitate gefährdet. Die Ansprüche bezüglich Licht, Strömungsverhalten und Wasserchemie der Quellbäche stimmen weitgehend mit denen des Bayerischen Löffelkrauts überein. An drei oberbayerischen Wuchsorten kommen beide Arten gemeinsam vor. Als mystisches Wesen fand der Feuersalamander Eingang in Sagen und mancherlei abergläubische Vorstellungen. Für kaum eine andere Art gibt es so viele volkstümliche Bezeichnungen.

Bayerische Quellschnecke (Bythinella bavarica): Die endemische Art tritt mindestens an einem Löffelkraut-Wuchsort gemeinsam mit der nahe verwandten Österreichischen Quellschnecke (Bythinella austriaca) auf. Beide sind auf unbelastete, nicht zu stark beschattete Quellen angewiesen und reagieren empfindlich gegen Versauerung und Eutrophierung.

Kriechender Sellerie (Helosciadium repens): Dieser kleine Doldenblütler tritt in Oberbayern an vier Wuchsorten zusammen mit dem Bayerischen Löffelkraut auf. Als prioritäre FFH-Art, die im Gebiet ihren gesamtdeutschen Verbreitungsschwerpunkt besitzt, besteht eine vorrangige Erhaltungsverantwortung. Deutschlandweit gilt der Kriechende Scheiberich als stark gefährdet. Schon geringe Nährstoffeinträge oder Veränderungen im Strömungsverhalten der Quellbäche führen zu einer Verdrängung durch konkurrenzkräftigere Arten.

In Oberbayern finden sich die individuenreichsten Vorkommen des Bayerischen Löffelkrauts jedoch in Quellmooren und hier v.a. auf Schwingrasen über starken, talwärts gerichteten, randlichen Quellströmen. Nur noch ausnahmsweise sind Quellmoore in einer vergleichbaren Qualität und Ausdehnung wie im Kupferbachtal erhalten. Auch hier finden sich im Begleitartenspektrum eine ganze Reihe floristischer und faunistischer Besonderheiten, denen das Biodiversitätsprojekt als "Co-Arten" eine besondere Aufmerksamkeit schenkt:

Langblättriger Sonnentau (Drosera anglica): die stark gefährdete Art wächst oft in engem Verbund mit dem Bayerischen Löffelkraut. Beide besiedeln bevorzugt Moosrasen aus Cratoneurum commutatum, die für eine gleichmäßige Durchfeuchtung der empfindlichen Wurzeln, v.a. aber für eine hohe Luftfeuchtigkeit in der Vegetationsschicht sorgen. Der Langblättrige Sonnentau ist spezialisiert auf extrem nährstoffarme Quellstandorte. Er deckt seinen Bedarf durch den Fang von Insekten, die an den drüsigen Blättern hängen bleiben und "verdaut" werden.

Glanzstendel (Liparis loeselii): Wegen der gelblichgrünen Färbung der gesamten Pflanze, der unscheinbaren Blüten und die geringe Größe (meist nur 5-15 cm) bleibt diese Orchidee dem ungeübten Betrachter meist verborgen. Als Art der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie ist der Glanzstendel in ganz Europa streng geschützt. Auch für diese Art tragen wir in Bayern eine besondere Erhaltungsverantwortung. Neben Quellmooren besiedelt die Art auch Nieder- und Übergangsmoore. Trotz des breiteren Lebensraumspektrums ist der Glanzstendel stark gefährdet und reagiert ausgesprochen empfindlich auf Entwässerungen und Nährstoffeiträge.

Strohgelbes Knabenkraut (Dactylorhiza ochroleuca): es rechnet zu den wenigen gelbblütigen Orchideen in unseren Breiten und erreicht stattliche Höhen bis etwa 60 cm. Gern tritt das Strohgelbe Knabenkraut gemeinsam mit dem nah verwandten Fleischfarbenen Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) auf, mit dem auch Hybride gebildet werden können. Reinen Formen des Strohgelben Knabenkrauts fehlt jedoch jegliche Rotfärbung in den Blüten. Obwohl die Pflanze sehr robust erscheint und gern in lockeren Schilfbeständen wächst, verschwindet sie rasch, wenn das Schilfwachstum durch Entwässerung und/oder eine Anhebung des Nährstoffniveaus gefördert wird.

Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens): mit etwa 40 mm Körperlänge handelt es sich um die kleinste Art dieser Gattung in Deutschland. Die geschlechtsreifen Tiere sind sehr unterschiedlich gefärbt: der Hinterleib der Männchen ist auffällig blau bereift, während sich die Weibchen durch eine ockergelbe bis orangebraune Färbung und einen schwarzen Längstreifen auszeichnen. Bei der Eiablage wird das Weibchen ständig von dem Männchen begleitet. Der Kleine Blaupfeil ist bayernweit stark gefährdet.

Das Artenspektrum dieser vielfältigen Lebensgemeinschaften ist hiermit jedoch noch lange nicht erschöpft. Individuenreiche Vorkommen von Ringelnatter (Natrix natrix), Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) und Abbiß-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) zeugen in den naturnahen Talräumen von intakten Lebensgemeinschaften. Seltener und nur mit etwas Glück zu beobachten ist die Gelbbauchunke (Bombina variegata) und die Kreuzotter (Vipera berus).

An den verschiedenen Wuchsorten des Bayerischen Löffelkrauts treten je nach Standort jeweils auch verschiedene Co-Arten in den Vordergrund. Allen gemeinsam ist jedoch eine große Übereinstimmung bzw. Überschneidung der Lebensraumansprüche. Ziel des Biodiversitätsprojekts ist eine nachhaltige Sicherung dieser Lebensräume und ihres charakteristischen Artenbestands. Dafür steht uns eine breite Palette von Möglichkeiten zur Verfügung, angefangen von regelmäßigen Bestandsaufnahmen über die Entwicklung und Umsetzung von Pflegeplänen bis hin zur wissenschaftlichen Erforschung des Standorts und der Arten.