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Biologie und Ökologie

Das Bayerische Löffelkraut besiedelt vornehmlich Quelllebensräume (Abb. 1). Fast ausnahmslos handelt es sich dabei um Schichtquellen, die typischerweise am Hangfuß von Steilabbrüchen als Folge des Anschnittes eines Schichtwechsels (Moränen/Deckenschotter zu dichteren Substraten) austreten.

Dieser Quelltyp ist geprägt durch eine kontinuierliche und hohe Quellschüttung. Die Wuchsorte sind ausgesprochen gleichmäßig kühl, jedoch auch in kalten Wintern relativ sicher vor Zufrieren. Mit zunehmendem Abstand vom Quellaustritt nimmt die Wuchsorteignung für das Bayerische Löffelkraut ab. Dies basiert auf erhöhter Konkurrenz infolge zunehmend besserer Wuchsbedingungen für andere Pflanzen (Generalisten), und dem daraus resultierenden Mangel an offenen Siedlungsplätzen für das Löffelkraut. (Abb. 3)

Die besiedelten Substrate reichen von ausschließlich aus festem Kalk bestehenden Strukturtuffen über Sinterkalksande bis hin zu Quellkalk-Antorfen, Quellkalk-Halbtorfen und Quellkalk-Torfen. Typisch für alle Wuchsorte sind die sehr hohen Calciumhydrogencarbonat-Gehalte des Quellwassers, wodurch die pflanzenverfügbare Kalium- und Phosphat-Versorgung sehr gering ist. Für zahlreiche Pflanzenarten stellt dieses unausgeglichene Nährstoffangebot den ausschlaggebenden Minimumfaktor für die Besiedlung dar (Abs, 2002).

Cochlearia bavarica besiedelt stark besonnte Standorte bis hin zu fast geschlossenen Wäldern. Die extremen Standorteigenschaften an den besiedelten Quellfluren in Wäldern verhindern den sonst in Wäldern üblichen Kronenschluss. Der Standort ist gekennzeichnet durch flächendeckende Vorkommen des Starknervenmoos (Cratoneuretum commutatae) (Abb. 3), poröse Sinterkaskaden (Tuffstein) oder unverwitterte, kiesige Schotterflächen. Die Substratverhältnisse, die Quellschüttung und das Relief führen zu mehr oder weniger großen Waldlichtungen. Die eigentliche Quellflur wird häufig von Riesenschachtelhalm-Eschenwäldern oder Winkelseggen-Erlen-Eschenwäldern umgeben und überschirmt.

Im Schatten werden die Pflanzen großblättrig und der Anteil blühender, reproduktiver Individuen ist geringer. Im Offenland kommen die Individuen dagegen gut zur Reproduktion (Abb. 4), was die Ausbreitung auf neue Wuchsplätze ermöglicht.

Schließlich kommt Cochlearia bavarica auch an Rändern von Quellbächen und sogar in einigen Drainagegräben vor. Derartige Zweitlebensräume sind sehr empfindlich gegen Eingriffe und verschwinden schnell wieder. Als kurzlebige Art besiedelt Cochlearia bavarica derartige Wuchsplätze nach einer Metapopulations-Strategie: Es stellt sich ein räumliches Gleichgewicht zwischen der Wiederbesiedlung und dem Verschwinden von Teilwuchsorten ein.

Abbildungen

Abb. 1: Quellflur
Abb. 2: Cratoneuron commutatum (Veränderliches Starknervmoos)
Abb. 3: Von Cochlearia bavarica neu besiedeltes Moospolster
Abb. 4: Besonnter Quelllebensraum mit Cochlearia bavarica